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Jahresnachruf 2022

Ein geübter Blick auf die Feinstaubmesswerte an einem Silvesterabend in Deutschland zeigt: im Westen nichts Neues. Die aktuellen Überschüsse für militärische Einsätze müssen schließlich auch im Volke ankommen, Signale gesetzt werden. Und so verpuffen auch dieses Jahr traditionell Tonnen reinen Feinstaubs.

Der Deutsche meint es ernst, mit Planet B. Schließlich arbeitet eine eigens dafür ausgestattete Gilde von Top-Ingenieuren bereits an Abfangmethoden für Raumfahrtmüll; es ist ja auch nicht so, als ob man < 1000 Satelliten benötigen würde, um die Welt zu vermessen. Das ist so etwa vergleichbar mit der bewussten Obsoleszenz, zum Nutzen der überproportionalen Gewinnermittlung. So wachsen nicht nur die Statistikzahlen belastender Feinstaubspielzeuge, sondern auch Polymerverbindungen. Der Begriff „Verbindung“ hier, verlinkt etwas irreführend. Das Zeitalter der Kunststoffe hat gerade erst Wellen verursacht, aber gottlob ist der Ozean weiter als der Horizont eines Neuronalen Netzes. Die Meere des blauen Planeten werden uns in ferner Zukunft längst vergessen haben, während sich das Universum einen Dreck um den vermüllten Orbit ‎unseres Planeten A schert. Das Highlight einer Jahresabschlussfeier darf schon gar nicht für einige, wenige Umweltbewahrer geopfert werden, wenn man sich akut und dringlich mit einem Stellvertreterkrieg arrangieren muss. Darum haben sich unzählige, mutige Playstation-Piloten im Darknet über die Weihnachstfeiertage mit militärischen Simulationen versorgt. Man möchte schließlich vorbereitet sein. Wir leben im 21ten Jahrhundert! Da schickt man Roboter an die Front! Heute bedient man eine Konsole, die Drohnen ausschickt und Fieldrovers Sprengstoff platzieren lässt. Eine saubere, gezielte Abschaltung des Videosignals sorgt dafür, dass internationale Berichterstattung ausfällt, sobald ein Tier oder Kind zerfetzt wird. RIP!
Wir sind Meister der industriellen Menschlichkeit geworden. Schlachtabfälle entsorgen andere. Hygienisch verpackte, sterile Supermärkte der Wirtschaft, erleichtern die Moral moderner Zivilisationen. Drogerieketten mussten nur das Design ihrer Webseiten an Altplastikflaschen poppig angleichen. Mehr war nicht verlangt. Das Material bleibt das Gleiche. Einschränkungen im Konsum werden von Lobbyisten und TED-Speakers der digitalen Generation als unnötige Dummheit – verkauft. Wer das nicht verstanden hat, sollte eine Flasche YFood trinken, phthalatversetzt, das ist smart!

Besser ist jetzt auch, mit flacher Hierarchie das hochmanipulierbare e-commerce Personal an die Billiglöhne der leistungsfähigen Parallel-Computer Dreipunktnull zu gewöhnen. Bedauerlicherweise nützt diese kumpelige Verflachung nur nichts in Gebieten einer realen Krise, in wachsenden Zonen des Kuhhandels, die unter Befehlsgewalt von privaten Armeen stehen.
Also hoffen all die Yuppies des Marketings 2.0 auf einen hygienischen Abschluss ihrer Strategie, ohne, dass sie sich selbst die Finger schmutzig machen müssen. Anders, als jene Legionärstruppen, die für Geld in der Ferne töten. Im Grunde steht der Menschheit - und somit der Menschlichkeit - nur eines im Wege: sie leidet unter einer allzu langsamen Mutationsrate, und kann sich einfach nicht schnell genug an Veränderung in ihrem Habitat anpassen. Also verändern wir das Habitat, bis es passt. Dann wird Wissenschaft aber binnen weniger Generationen bemerken, dass der Einsatz ihrer Genscheren die leidige Nebenwirkung vermehrter Gendefekte mit sich bringt, statt sie zu beseitigen. Was unter anderem daran liegen mag, dass Suchmaschinen nur wissenschaftlich Thematisiertes anzeigen, und was destruktiven Kapitalgebern bis zur Flatline des WWW von Nutzen sein wird. Man konstruiert danach einfach eine neue Illusion des Marktes. Vorangetrieben wird der Blick auf ein halbvolles Glas jedoch von der brachialen Spaltung der Gesellschaft eines Neo-Realismus: es siedeln Angehörige der Spezies plötzlich aus, sie verlassen das virtuelle Armageddon und sehen auf eine Welt, die tatsächlich dreidimensional ist; eigentlich sogar mehrdimensional. Zumindest nicht zweidimensional wie ein Blatt HD-Bildschirm. Da gibt es plötzlich richtige Bäume mit Vögeln drin! Man sollte den Kindern in der Schule einfach mal erklären, dass ein perspektivisch korrekt gezeichnetes Haus trotzdem nur zwei Dimension besitzt. Dass eine Animation bewusst die restlichen Sinne und somit n-reale Faktoren abkoppelt, dass eine VR-Brille mit unseren Neuronen biochemisch reagiert, als hätten wir ein Schädel-Hirntrauma zu verarbeiten; und unsere Übelkeit eigentlich nur das Ergebnis eines Millionen Jahre alten Vagusnervs ist.

Die neuzeitlichen Bemühungen einer minimaltechnologischen Produktwelt sind in Schulnoten ausgedrückt eher mangelhaft bis ungenügend. Jeder Außerirdische einer fremden Welt, der eine Spritztour zum Planeten Erde unternimmt, würde die angeblich intellektuelle Leistung der herrschenden Lebewesen mit der Elektronenraster-Lupe suchen müssen. Unsere billig gefertigten Plastik-Gadgets und Applikationen-Gimmicks deuten vielmehr auf die Weltregierung der Klassenkasper hin, die später – Dank ihrer verzerrten Selbstwahrnehmung, eine Laufbahn als Politiker einschlagen werden. Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass ein Zurkusclown ein Land regiert, hätte er wenigstens den Anstand, Menschen zum Lachen zu bringen, und nicht zum Weinen. Der Rest ist das Schweigen der Massen. Menschen bilden sich ein, nicht fort. Nun, ins Joch ihrer Smartphones eingespannt, bilden sie sich ein, Leben mit dem Karpaltunnelsyndrom ihrer Führungshand gestalten zu müssen - schließlich machen es alle so. Das Mehrheitsprinzip hat im Laufe der Weltgeschichte übrigens öfter zu Kriegen und Elend geführt, als das Enthalten der Wenigen, die nicht mitmachen wollten. Sie waren am Ende die Veränderung zum Frieden. Vielleicht sollte man aufgrund dieser Erkenntnis an dem Modell einer gleichberechtigten Gesellschaft nochmals feilen. Demokratie taugt wenig, wenn Bürger nur zu Applausspendern der Clowns degradiert werden.

Welche Rolle der Fortschritt dabei spielt, ist ungewiss. Auf der einen Seite können wir nicht genug Technik installieren, um alles "smart" zu machen. Auf der anderen Seite gelingt es uns nicht einmal, ein Alltagsfahrzeug so zu bauen, dass es die Geschwindigkeit automatisch drosselt, sobald man in eine verkehrsberuhigte Zone einbiegt oder an einem Krankenhaus vorbeifährt. Die Google-Konsole ist serienmäßig wichtiger, und hilft ganz ‚sicher‘! Verkehrstote gehören zum Beweggrund der Zukunft, sagt der Minister. Der Freiheitslobbyismus fängt bei der illegalen Nutzung halbautomatischer Waffen an, dafür trainiert man schließlich bereits die Jugend seit Langem; umfassend mittels Software. Freiheitsgedanken hören jedoch schlagartig dort auf, wo Milliardenverträge pharmazeutischer Unternehmen den Wettbewerb in der freien Forschung verzerren. Bedauerlicherweise erhalten US-NGOs, in deren Vorständen alle Großbänker der alten Welt sitzen, mehr Einfluss und Zuschuss in Forschung und Medien, als inländische Wissenschaftsprojekte deutscher Universitäten. Es sei denn, sie lassen sich von der Facebook-Stiftung unterhalten.

Unsere Zivilisation würde also im Jahre 2023 - oder im Jahre 1 der Zeitrechnung P.P. (postpandemisch) - weitaus besser dastehen, hätte man die osteuropäischen Berichte zu den multiresistenten Keimen einfach mal nicht als Feindeswissen im Netz 2020 algorithmisch weg-ge-nudged. Oder hätte man vor zwei Dekaden eine Gruppe vernünftiger, unabhängiger Gutachter an das Thema Digitalisierung gesetzt. Stattdessen, saß man einer magischen Heilsversprechung des Silicon Valley auf, die sogar vom Gründer der Virtualität selbst, massiv kritisiert wird.

Ein paar Jahre später, nach der verplatzten New-Economy-Blase und unzähligen geschädigten Kleinsparern, fährt man munter nach dem Prinzip der ewigen Rekursion den Weltmarkt endlich an die Wand. Das ist aber nicht schlimm: Inzwischen ist der Einsatz von Quantenrechnern für Börsengänge vorgesehen, was das schlichte Computation Modeling beratender Regierungsinstitute sehr amateurhaft aussehen lässt. Da muss man sofort was machen!
Das Aussenden von Universalgelehrten in Form von unlauteren Anleger-Coaches in reicher Zahl auf Soziale Plattformen der Grauzone, hat den Coaches das restliche Guthaben eingebracht, während alle anderen sich über Abzocke dermaßen ärgern, dass sie am Jahresende die Restkohle für Frustraketen ausgeben und in dieselbe belastete Luft in der Stadt jagen, die ein Fernsehteam des ZDF eine Stunde zuvor mit einer neuen Influencerin zum Thema Klimawandel in ein Instagramm verpackt hat. Die neue deutsche Einheit.

Glaubt eigentlich noch jemand an die Unabhängigkeit der Digitalbildung?

Frohes Neues Jahr!

 

Ihre Susan Ville

 
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Wer mehr auf Sarkasmus zwischen Zeilen steht, wird sicher mit dem Essay "PNRIK - Postnukleares Rapunzel Im Kühlturm" zufriedenstellende Erfahrungen machen.

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