Ein Bildungskommentar
Google verbreitet, was das US-Establishment will, das ist die PR-Strategie. US-Politikerinnen wie Hillary Clinton, oder Israelische Militärsprecher möchten die gegenwärtige digitale Welt davon
überzeugen, unterirdische Transportwege seien eine Erfindung des Terrorismus. Sind sie nachweislich nicht: Tunnelsysteme unterhalb der Städte in der Region Palästina und Israel wurden
ursprünglich nicht von der Hamas gebuddelt, wenn überhaupt, haben die Bewohner der besetzten Gebiete diese Tunnels nach der Nakba 1948 verwendet oder ausgeweitet, um Waren zu
bewegen.
Der gesamte Nahe Osten besitzt ein altes Tunnelsystem und auch Europas Metropolen sind für ihre Katakomben berühmt. Die ersten Christen hatten sich im Untergrund vor den Römischen Besatzern und
heidnischen Fanatikern versteckt, später vor Verfolgung im Osmanischen Reich. Fotostrecke (Der Spiegel - Wissenschaft) Bis zum Jahre 313 A.D. war die Ausübung christlicher Rituale im Römischen Reich
verboten. Ich selbst habe urchristliche Kirchen im Untergrund in Syrien besucht. In Gewölbegängen unterhalb syrischer "Kraks" findet man Verstecke, die zu Zeiten der Kreuzzüge gleichsam Rittern als auch Gotteskriegern Saladins
dienten. Unterhöhlungen wurden über Jahrhunderte geschaffen, um Dissidenten vor den Schergen der Machthaber zu schützen. Besatzer wechselten, Bedrohte auch.
Gaza selbst liegt in einem Jahrtausende alten historischen Küstenabschnitt, den sicher viele aus den monotheistischen Aufzeichnungen kennen: Das Pentapolis der Philister, eine fünf Städte umfassende antike Zone, die bis zum 12 Jhd. vor Christus
stark umkämpft war.
Der heutige Name Palästina geht tatsächlich auf die Philister zurück. Der altägyptische Begriff lautet "Peleset". Die römisch-lateinische Bezeichnung "Palaestina" wurde 135 v. Christus bei der
Zusammenführung der Provinzen Syria und Judaea eingeführt. Die damals ansässige Bevölkerung kann archäologisch und anthropologisch bestimmt werden: das Max-Planck-Institut für
Menscheitsgeschichte hat 2019 mittels Grabungen paläogenetische aDNA-Analysen durchgeführt, untersuchte Gebeine weisen Volksmerkmale (Marker) aus dem Mittelmeerraum
auf.
Die alten Ägypter erwähnten die Peleset in ihren Papyri als "Seevölker", wenn sie von Angriffsschlachten berichteten. Reliefs am Tempel von Medinet Habu (PDF) beschreiben Kriegsschiffe und
Streitwagen und geben eine Vorstellung vom äußeren Erscheinungsbild: Männer waren glattrasiert, Kämpfer führten einen kleinen runden Schild mit Schwert. Darstellungen an den Wänden von Medinet
Habu zeigen die Kopfbedeckung der Philister, eine Strahlenkrone, möglicherweise aus Rosshaar gefertigt.
Neuere Ergebnisse aus der Forschung stützen eine genetische Zuordnung zu den Kretern, Iberern und Sarden - also südeuropäischen Auswanderern (*). Wenn man die archäologischen Daten hinzuzieht, zeigen sich Bewegungsmuster der damaligen Handelsbeziehungen und militärischen Routen der Armeen.
Schon zur Zeit der Ramessiden waren unterirdische Stützpunkte üblich. Gerade die Ägypter überzeugen seit Jahrtausenden durch äußerst
effektive Katakombengänge zum Transport von Waren, kostbaren Kulturgütern und sogar Mumien ihrer Herrscher zum Schutze gegen Grabraub. Kopten - die ägyptischen Christen - bauten
ebenfalls den Untergrund aus, auf syrischer Seite (Assyrien) sind Keller geheim, aber allgegenwärtig.
Nun sprechen wir von den europäischen Katakomben, die für Buchstoff der berühmtesten Überlieferungen des Mittelalters und zwischen den Weltkriegen sorgten: Rom, Paris - die Nekropolen Englands, Berliner Unterwelten, mittels derer Substrukturen sowohl die Nazis als auch Widerständler Schmuggelware, Kunst und Waffen transportierten. Wo eine Stadt, da auch ein Untergrund.
Es ist also im Jahre 2023 wieder einmal nur Propaganda, die eine Volksgruppe als schändlich darstellt, um Krieg rechtfertigen zu können und sich ein Alibi zu verschaffen, Millionen von Zivilisten in einem eingezäunten Ghetto durch Raketen und Brandbomben zu ermorden. Man muss sich letztlich der einen unausweichlichen Befragung stellen, wieso im Zeitalter der technischen Präzisionstötung ein paramilitärischer Anschlag als Rechtfertigung für den Massenmord in Gaza dient.
Seit ca. 3000 v. Chr. sind Vereinbarungen und Regeln in der Kriegsführung zum Schutz und zu Evakuierungszwecken der Zivilbevölkerung bekannt. Daher ist es müßig, sich mit wortstarken, rhetorischen Erfindungen neuzeitlicher US-Politik zu befassen, sie hat zu keiner Zeit nach Gründung der Neuen Welt zum Frieden beigetragen. Demokratie und Freiheit mit Feuer und Schwert verbreiten, wäre eine adäquate Zusammenfassung moderner Völkerkämpfe aller Seiten. Frieden lebt nur in der Latenz.
Die Befreiung Deutschlands von den Nationalsozialisten wäre ohne die Alliierten und Russland ebenfalls nicht möglich gewesen; das sind historische Fakten. Bedauerlich nur, wie schnell sich durch
gezielte Algorithmen die brandheiße (AIPAC-)US-ISR-Datenware im hauseigenen Netz verbreitet, während es Wochen dauert, um als Weltgemeinschaft einen Konsens zu humanitärer Hilfe und Sicherheit zu
erlangen.
Moralisch stehen wir heute sogar noch schlechter da als unsere Vorfahren aus frühen Hochkulturen. Aber wen von all den hochangesehenen und preisausgezeichneten Instituten und Organisationen der
Welt würde dies tangieren? Wie damals die "Peleset" Migranten von der See, sind es heute schließlich nur Verwandte abscheulicher Terroristen. Sie verdienen, dass man Rache an ihnen übt, weil es
nicht so gut lief, in drei Irakkriegen. Irgendwer hat immer eine Rechnung offen oder verfällt in wirtschaftliche Panik, sein Imperium zu verlieren, schließlich versorgen Waffentechnologien
Ahnungslose rund um den Globus seit Generationen mit Arbeit.
Susan Ville
(*) As a schoolgirl in Israel, Michal Feldman learned that the ancient Philistines, who lived between present-day Tel Aviv and Gaza during the Iron Age, were “the bad guys.” In the Bible, they were the archenemies of the Israelites, who fought Samson's armies and sent Goliath into battle against David. “Philistine” is still a slur for an uncivilized barbarian. Now a Ph.D. student in Germany, Feldman has found a new way to understand the Philistines. By analyzing DNA from 12th century B.C.E burials in the Philistines's renowned city of Ashkelon, her team has found that they were interlopers in the ancient Middle East. Their closest known kin were from southern Europe, the team reports this week in Science Advances. The DNA data suggest a kernel of truth to Greek and Middle Eastern legends that describe survivors who moved south after the catastrophic collapse of great Bronze Age civilizations of the Mediterranean in the late 13th and early 12th centuries B.C.E. “This [DNA] story of migration is tantalizingly close to those memories,” says co-author Daniel Master of Wheaton College in Illinois, who leads excavations in Ashkelon, Israel. “This is about real people who are moving from real troubles, finding new families in a new home,” adds Assaf Yasur-Landau, an archaeologist at the University of Haifa in Israel who was not part of the study. “It's the most basic human story.” (LINK science.org)
Sehen Sie auch den Videobeitrag von Mohamed Hassan (Middle East Eye UK):
Are there Hamas tunnels under hospitals? Did Israel give up Gaza in 2005?
Did the Palestinians reject their own state? This week on The Big Picture, we examine a widely shared interview with Hillary Clinton, praised as informative and illuminating. Except most of what
she says about Gaza isn’t true - so why is she misleading the public? It could be her financial ties to Israel, and influential Israeli lobbies in the United States. She’s not the only
one:
